Kuriosum naturale

Das virtuelle Kuriositätenkabinett

Von der Jesus-Christus-Echse oder dem König der Schlangen

Es gibt eine Gattung unter den Reptilien, die nicht ohne Grund nach Jesus benannt ist. Die Basilisken (Gattung Basiliscus) oder Jesus-Christus-Echsen, die zu der Familie der Leguane gehören (Familie Iguana) können zwar keine Kranken heilen,  haben aber dafür eine andere wundersame Eigenschaft mit Gottes Sohn gemeinsam. Vier bisher bekannte Arten der Jesus- Christus-Echsen können, um kurze Wasserhindernisse zu überwinden oder um vor Prädatoren zu flüchten, bis zu zehn Meter auf einer Wasseroberfläche zurückzulegen. Natürlich handelt sich dabei nicht um ein Wunder, sondern basiert auf reiner Physik. Anders als bei den bei uns heimischen Wasserläufern hängt diese Fähigkeit allerdings nicht allein mit der Oberflächenspannung des Wassers zusammen. Dafür sind die Echsen leider zu schwer. Entscheidend für das Wasserwandeln ist neben der Aufrichtung der Hinterbeine die extrem hohe Geschwindigkeit mit der die Füße auf die Wasseroberfläche treffen.

Das physikalische Prinzip dahinter funktioniert so ähnlich wie Turmspringen im Schwimmbad oder besser gesagt die Beschleunigung und Geschwindigkeit eines Massekörpers, der auf eine Wasseroberfläche trifft. Die Geschwindigkeit mit der Körper auf die Wasseroberfläche treffen und die Dichte des Wassers bestimmen wie schnell Moleküle durch die Masse des Körpers verdrängt werden. Je höher die (End)geschwindigkeit des Körpers, desto langsamer verläuft diese Verdrängung, die Wasseroberfläche wirkt „fester“. Wer schon einmal einen saftigen Bauchklatscher oder eine „Arschbombe“ vom Sprungturm oder Sprungbrett hingelegt hat, versteht dieses Prinzip mit Sicherheit. Die Basilisken haben mehrere Tricks entwickelt, um dieses Prinzip für sich zu nutzen. Die Hinterbeine bzw. -füße werden stark beschleunigt und berühren abwechselnd durch ausschweifende Rotation das Wasser. Dabei senken sie sich kurzzeitig ins Wasser, allerdings ohne nass zu werden oder richtig einzutauchen. Der aufrechte Gang und der ausbalancierende Schwanz unterstützen diese Lauftechnik. In kleinen Hautfalten der Füßen staut sich zudem temporär Luft, was das Einsicken zusätzlich verzögert. Irgendwann bekommen die Basilisken aber auch nasse Füße oder kommen aus dem Laufrhythmus heraus, was im Eintauchen ins Wasser endet. Gekonnt können sie dann einfach weiter schwimmen. Wer auch bewegte Bilder sehen will, folgt der unten angebenen Adresse. National Geographic hat dazu ein sehr schönes Video frei gestellt.

Der Name Basilisk ist übrigens griechisch und bedeutet soviel wie König der Schlangen, was wohl damit zusammenhängt, dass die Echsen ihren potenziellen Prädatoren (Jägern) öfter ein Schnippchen schlagen und über den „Wasserweg“ fliehen können. Mit der Riesenschlange aus einem berühmten Buch über einen Zauberschüler deren Blicke versteinern können, hat dies allerdings wenig zu tun. Es wurde mittlerweile zudem ein Roboter entwickelt, welcher dieses wundersame Wasserwandeln der Basilisken imitieren kann…Wahnsinn!

National Geographic (2007) Jesus Christ Lizard.

https://www.youtube.com/watch?v=45yabrnryXk&feature=player_embedded [30.12.2014]

Referenzen:

Glasheen, J. W., & McMahon, T. A. (1996). A hydrodynamic model of locomotion in the basilisk lizard. Nature, 380(6572), 340-341.

Hsieh, S. T. (2003). Three-dimensional hindlimb kinematics of water running in the plumed basilisk lizard (Basiliscus plumifrons). The Journal of experimental biology, 206(23), 4363-4377.

Hsieh, S. T., & Lauder, G. V. (2004). Running on water: Three-dimensional force generation by basilisk lizards. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 101(48), 16784-16788.

Bilderquellen:

Fig.1 aus: Floyd, S., Keegan, T., Palmisano, J., & Sitti, M. (2006, October). A Novel Water Running Robot Inspired by Basilisk Lizards. In IROS (pp. 5430-5436)

https://www.flickr.com/photos/briangratwicke/5991028759/ ©Brian Gratwicke [30.12.2014]

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