Kuriosum naturale

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Die halten mehr als sie versprechen

Die biologischen Kleber, die von Miesmuscheln oder von Rankenfußkrebsen produziert werden, faszinieren nicht nur Biologen, sondern auch Chemiker und Materialforscher. Die Eigenschaften der biogenen Superklebstoffe stellen die meisten artifiziell hergestellten Kleber in den Schatten. So haften sie extrem gut an verschiedenen Oberflächen. Egal ob an rauem Meeresgestein, glatten Schiffsrümpfen oder Glas, die Tiere können durch ihre Kleber nahezu überall anhaften. Wie Laboruntersuchungen zeigten, ist selbst an Teflon (Polytetrafluorethylen) eine Anhaftung möglich. Eine weitere faszinierende Eigenschaft ist die Regenerationsfähikgeit der Kleber: Risse, Schnitte oder andere Beschädigungen schließen sich quasi von selbst. Außerdem interessant ist der Fakt, dass sie sich unter Wasser verfestigen können, wohingegen sich die meisten herkömmlich industriell-synthetisierten Kleber erst an der Luft trocknen müssen, um ihre vollständige Haftkraft entfalten zu können.

Schiffsbesitzer finden diese Charakteristika alles andere als faszinierend.  Die mit den superhaftenden Tieren vollbepackten Schiffe  verbrauchen deutlich mehr Treibstoff und spielen somit defintiv eine ökonomische Rolle. Die Medizin, die Chirurgie und insbesondere die Zahnmedizin hingegen könnten durch die Muschel- oder Krebskleber revolutioniert werden. Wunden müssten nicht mehr genäht, Knochen oder Zahnimplantate nicht mehr geschraubt werden, wenn die Superkleber zum Einsatz kämen. Damit dies ermöglicht wird, muss die Molekülstruktur und deren Eigenschaften der Kleber genauer untersucht und verstanden werden. Tatsächlich weiß man schon seit einiger Zeit, dass die Klebstoffe aus einem komplexen Polymer-Gefüge von Klebe-Proteinen aufgebaut sind, die bei beiden Tiergruppen von speziellen Drüsen gebildet werden. Wissenschaftler haben es bereits geschafft, zumindest den Miesmuschelkleber synthetisch herzustellen und auszutesten.

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die Herstellungskosten der Kleber beschränken den Einsatz bisher nur auf Testzwecke im Labor. Bis richtig los geklebt wird, vergehen also noch einige Jahre. Generell scheinen Kleber mehr und mehr „die“ Verbindungsmöglichkeit der Zukunft zu sein, die Industrie und die Forschung sind sehr daran interessiert.

Es bleibt spannend. Würdet ihr euch verkleben lassen, wenn es bereits schon heute möglich wäre? Traut ihr Kleber mehr zu als den Schraubverbindungen? Kommentiert nach Lust und Laune!

Referenzen

http://www.scienceticker.info/2012/04/16/gehorsamer-kleber/ [13.12.2014]

http://www.chemie.de/news/137492/verbesserter-muschelklebstoff.html [13.12.2014]

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-02/erde-sd-muschelkleber [13.12.2014]

http://suite101.de/article/bionik-miesmuschel-kleber-a77527#.VIy5M3uxZUM [13.12.2014]

http://www.podcastpedia.org/podcasts/1241/Fraunhofer-Podcast/episodes/7/Krebsklebstoff-mit-Superhaftkraft [13.12.2014]

http://www.land-der-erfinder.at/?p=3351 [13.12.2014]

Beitragsbild

Muschel mit Byssusfäden. Brocken Inaglory via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported) [13.12.2014]

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Thema von Anders Norén

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